Den ersten Artikel in der neuen „Behind the scenes“ Rubrik, in der ich immer mal wieder einen Blick „hinter die Kulissen“ werfen werde, widme ich der Sonnenfinsternis die ich am Freitag den 20. März 2015 hier im Blog Live „übertragen“ habe und dem Zeitraffer-Video das aus den Aufnahmen der beteiligten Kameras entstanden ist.
Wird vielleicht den ein oder anderen interessieren wie ich das Ganze realisiert habe.

Vorbereitung

Bereits Wochen vor der Sonnenfinsternis habe ich mir einen Bogen von der sehr guten Baader Planetarium SONNENFILTERFOLIE beidseitig beschichtet bestellt. In weiser Voraussicht das derlei Sachen im Vorfeld sicher wieder ausverkauft sein würden.
Ohne speziellen Schutz für Objektiv, Kamera und Augen wäre ein bis dahin nur vager Plan Live-Bilder zu zeigen und einen Zeitrafferfilm zu machen von vorne herein zum scheitern verurteilt gewesen.

Die Entscheidung wirklich etwas zu machen fiel dann erst Mittwochs als sich die Wettervorhersage stabilisiert hatte und man mit einer freien Sicht auf die Sonne rechnen konnte. Erster Schritt war dann das Basteln eines Sonnenfilters für mein 200-400er Objektiv das ich als Optik ausgewählt hatte. Anleitungen dazu findet man reichlich im Netz und auch auf der Verpackung der Filterfolie.
Die Wahl der Kamera fiel auf die Canon 7D Mark II, zum einen wegen dem 1.6x Crop-Faktor um die Sonne schön groß zu bekommen und zum anderen weil ich die schnelle Bildübertragung mittels USB 3.0 endlich einmal ausprobieren wollte.

Da ich nicht nur das Wandern der Mondscheibe vor der Sonnenscheibe zeigen wollte sondern auch wie sich das Licht im Verlaufe der Finsternis verändert war schnell klar das noch eine 2. Kamera, hier jetzt eine Ur-7D, mit fest eingestellten Werten für die Belichtung zum Einsatz kommen musste.
Als Optik für einen Blick über die Stadt wählte ich das Walimex Pro 14 mm 1:2,8 DSLR-Weitwinkelobjektiv aus, ein vollkommen manuelles Objektiv, also nix AF etc., was bei meinem Vorhaben sehr von Vorteil sein sollte.

Klar könnte man auch jedes andere Objektiv im manuellen Modus betreiben aber so ein manuelles hat einen entscheidenden Vorteil wenn man Zeitraffer erstellen will.  Die Blende!
Die stellt man nämlich einmal ein, z.B. auf f/8 (wenn die Sonne lacht), und so bleibt sie dann auch.
Bei den sonst üblichen Objektiven wird die Blende zwar auch von der Kamera auf f/8 eingestellt, dies aber bei jeder Aufnahme aufs Neue. Da es aber superminiwinzige Toleranzen dabei gibt ist auch die Belichtung der einzelnen Bilder ganz minimal verschieden was dann im Film ein echt fieses Flackern ergibt. Das lässt sich zwar mit Software, z.B. mit LR-Timelapse, wieder weitestgehend rausrechnen aber wenn man sich die Arbeit sparen kann…

Beide Kameras und die zugehörigen Objektive waren also festgelegt.
Aber gerade für die Live-Übertragung bedurfte es noch einiger Technik mehr.
Jede Kamera hing per USB an je einem Notebook (gut wenn man ältere Rechner nicht einfach entsorgt) auf dem das Canon eigene Programm „EOS Utility“ dafür sorgte das die Bilder (jeweils RAW+JPG) von der Kamera auf Festplatte gespeichert wurden anstatt auf den Speicherkarten zu landen.
Jetzt musste aber irgendwie noch das jeweils letzte aufgenommene Bild mit immer dem gleichen Dateinamen und auch noch herunter skaliert auf den Webserver. Für diesen Schritt musste ich dann meine Programmierkenntnisse wieder aktivieren und selber ein Tool schreiben das genau diese Schritte automatisch abarbeitete und zwar alle 30 Sekunden.

Jetzt musste dann noch Hand ans Blog gelegt werden, schliesslich sollten sich die Bilder bei den Besuchern automatisch aktualisieren und ebenso ab und an die ganze Seite da ich auch mal etwas dazuschreiben wollte.
Zwei WordPress-Plugins haben das dann erledigt, zum einen „Image Autorefresh Shortcode“ das sich alle 30 sek. um die Bilder kümmerte und dann noch „Auto Refresh Single Page“ dass dafür sorget das alle 5 Minuten die Seite frisch geladen wurde.

Donnerstag Abends hatte ich das alles soweit, bei twitter und facebook wurde schonmal vorab der Link zur Seite gepostet und während eine „Testübertragung“ lief bereitete ich dann noch die astronomische Montierung vor damit die Kamera auch der Sonne folgt. Steht ja nicht starr am Himmel der gute Stern und mit nur einem normalen Stativ ist man da auf verlorenem Posten.

Der fertige Eigenbau Sonnenfilter im Test, Verpackungsmaterial gleich mitverwendet
Die Hauptkamera auf astronomischer Montierung am Einsatzort vor der Garage
Laptop mit Live-Bild im Schatten
Die 2. Kamera mit Blick auf Sinsheim

Live-Übertragung & Aufzeichnung

Nach nur 4h Stunden Schlaf wurde es dann am Freitag Morgen bei absolut perfektem Wetter ernst.
Alles wie am Abend vorher getestet aufbauen und zum laufen bringen ohne in Hektik zu verfallen.
Die Kamera mit Blick über Sinsheim war dann auch in weniger als 5 Min. einsatzbereit.
Aber natürlich musste noch etwas schief laufen!
Astronomische Montierung am selben Platz wie zuvor gekennzeichnet aufgestellt, Kamera mit dem langen sonnenfiltergeschützten Tele drauf uuuuuund MIST! Sonne zu weit östlich, da kam ich gar nicht dran in der Konfiguration.
Na ja, kein Problem, Kamera & Obektiv andersrum draufpacken, Montierung umschwenken uuuund MIST! Jetzt wäre der Knopf für die manuelle Verstellung der einen Achse dem Motor der anderen Achse gegen Ende der Finsternis im Weg, aaaaargh!
Also den Gnubbel runterbauen der sich Gott sei Dank nur kurz widerspenstig zeigte (ich gebe zu, rohe Gewalt war auch im Spiel).

Dann lief aber alles prima, weder zicken seitens der Laptops noch der Software, kein W-Lan Hänger und kein unterbrochener Internetzugang, der vielbeschworene Blackout blieb auch aus.
Nur einmal verabschiedete sich kurz das Backend vom Blog und unmittelbar vor Ende der Sonnenfinsternis musste ich bei der 7D Mark II den Akku wechseln.

So hatte ich dann Zeit wenigstens ab und zu auf das Gezwitscher vom Smartphone zu reagieren und den Nachbarn zu erklären was denn hier so vor sich geht…

Ein Zeitraffer soll es werden, aber kein gewöhnlicher…

Nachdem also Live alles vorbei war, aller Kram wieder abgebaut und alle Daten gesichert, blieben ca. 73GB an Bildern im RAW Format übrig die ich noch zu einem ansehnlichen Video verarbeiten wollte.
Hauptsächlich eine Frage der Kreativität, Bilder mit Lightroom entwickeln ist ja Tagesgeschäft und mit Premiere Pro etc. kann ich ja inzwischen auch ganz gut umgehen.
Aber ein Problem gab es da schon noch zu lösen, der Zeitraffer von der Sonne sah nämlich so aus:


 
Ganz schönes Gezappel, gell?
Das kommt davon das meine Montierung jetzt nicht wirklich rund läuft und ich mit dem einnorden von dem Teil auch auf Kriegsfuß stehe. Daher wandert die Sonne immer langsam durchs Bild und ab und an musste ich natürlich nachhelfen und unseren Heimatstern manuell wieder in den Mittelpunkt rücken.

Aber natürlich hätte ich gerne die Sonne auf einer Stelle stehen…

Als ich 2004 so etwas schon einmal bei einem Venusdurchgang gemacht hatte war das richtig knifflig. Damals hatte ich jedes einzelne Bild per Hand mit Photoshop ausgerichtet und wieder abgespeichert. Allerdings waren das auch „nur“ so um die 100, jetzt hatte ich für eine flüssige Bewegung alle 8 Sekunden ein Bild gemacht was dann mal eben 1300 Einzelbilder wurden…

Gelöst habe ich das Problem dann mit dem Tracker von Adobe After Effects.
Super Sache wenn man erstmal damit umzugehen weis 🙂

Der Rest war dann relativ easy, ein wenig Photoshop hier, ein bisschen Maskierung dort und schon war das Video fertig das man hier im Blog und auf YouTube anschauen kann.

Fazit & Erkenntnisse

War etwas Arbeit das Ganze, hat aber auch Spaß gemacht und gelernt habe ich auch wieder einiges was dann letztlich mir und meinen Kunden zu gute kommt.

USB 3.0 bei der 7D Mark II ist eine prima Sache, habe ich aber auch im Verdacht zu einem guten Teil den wesentlich höheren Strombedarf der Kamera gegenüber der alten 7D zu erklären. Zum Vergleich: Alte 7D nach Ende der Aktion, Ladezustand des Akkus 52% Restkapazität. Bei der 7D Mark II war der Akku gute 45 Minuten vorher schlicht leer.

Und dann noch die Erkenntnis das die Beitragszähler von meinem verwendeten WordPress-Theme für den Popo sind. Keine Ahnung was da gezählt wird, jedenfalls weder unique Users und schon gar nicht Seitenaufrufe, vielleicht Säcke Reis die in China umgefallen sind oder so. Da ist entweder ein dicker Bock im Code oder es beisst sich irgendwie mit dem eingesetzten Cache-Plugin…

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