Ein Objektiv für dessen Preis man sich auch locker ein schönes Auto kaufen könnte, vor einiger Zeit hätte ich auch noch gesagt „das macht keinen Sinn und kommt mir nicht ins Haus“.
Letzten Donnerstag wurde es geliefert…

Die letzten Jahre über hat mir das EF 300 f/2.8L IS USM in der Sportfotografie gute Dienste geleistet, allerdings war es öfters mal zu „kurz“ für Szenen weiter weg und zu „lang“ wenn die Action näher kam. Letzteres Problem liess sich einfach beheben, zweite Kamera mit einem 70-200er Zoom umgehängt und wenns drauf ankam diese Kombi verwendet.

Am langen Ende würde aber nur eines helfen, mehr Brennweite.

Schon als die Entwicklung des 200-400ers mit integriertem 1.4x Konverter bekannt gegeben wurde habe ich damit geliebäugelt, das der Preis allerdings saftig werden würde war voraus zu sehen.
Nun war es auf dem Markt angekommen und nicht enorm viel teurer als die aktuelle 400er Festbrennweite von Canon. Also habe ich mich für das Zoom entschieden.

Erwartungen

In erster Linie verspreche ich mir von dem Objektiv hohe Flexibilität, da ist ein Zoom einfach im Vorteil gegenüber einer Festbrennweite. Das ständige Wechseln zwischen der Kamera mit dem 300er und der Maschine mit dem 70-200er nervt schon ein wenig und die ein oder andere Szene geht einem dabei auch durch die Lappen.
Natürlich sollte die Bildqualität in der Preisklasse auch erstklassig sein und stabil wie ein Panzer sollte es obendrein sein.

Auspacken und erster „Testschuss“

Geliefert wird das Objektiv in einem riesigen Karton in dem sich wiederum ein grosser Koffer verbirgt in dem das Objektiv sicher gelagert werden kann. Ein Unboxing-Video schenke ich mir, dazu war keine Zeit 😉
Groß ist es und schwer, das 300er sieht mickrig daneben aus. Aber es steckt ja auch eine Menge an teurem Glas und Technik drin.

Kaum aus der Verpackung befreit wurde es auch schon mit seinem zukünftigen Partner, der 1Dx, vereint und einige Dächer der Nachbarschaft mussten mangels anderer Motive dran glauben.
Diese Bilder sahen was die Schärfe etc. anbetrifft schon mal gut aus.
Am Abend bot sich dann noch der zunehmende Mond als Ziel an.
Das folgende Foto wurde frei Hand (schwer!) mit eingeschwenktem Telekonverter und Offenblende, also 560mm Brennweite und f/5.6, gemacht, IS natürlich eingeschaltet. Es ist ein 100% Auschnitt ohne zusätzliches nachschärfen:
Mond frei Hand

Wenn man bedenkt das auch noch ganz feine Schleierwolken die Sicht etwas trübten dann kann ich nur sagen, Klasse! Aber der Mond ist ja nicht das bevorzugte Motiv, beim Sport muss sich das Objektiv beweisen.
Das Testspiel der Hoffenheimer Frauen am Sonntag sollte die eigentliche Feuertaufe werden.

AF und Bildqualität/Schärfe

Der AF sitzt bei mir auf Anhieb recht akkurat, bisher habe ich noch keine Feinjustierung mit der 1Dx vorgenommen. Beeindruckt hat mich gleich die Geschwindigkeit. Das folgende Bild wäre mit meinem 300er so nicht entstanden, ich war mal wieder etwas fix mit auslösen und im Sucher war das Bild noch unscharf…
fussi1
Und „Zack“ der Fokus sitzt!

Gearbeitet habe ich das ganze Spiel über mit Offenblende, die Schärfe ist da schon absolut einwandfrei.
Wie schon beim EF 70-200 f/2.8 IS USM II hat es Canon auch beim EF 200-400 f/4.0 IS USM geschafft ganz nah, aber wirklich ganz nah, an das Niveau einer Festbrennweite dran zu kommen.
Nächster Schuß, nächster Treffer, Schärfe passt, Abbildung einwandfrei, was will man mehr?
fussi2

Gewöhnungsbedürftig

Mit etwas über 3,5 Kg Gewicht (+Kamera) ist da im Vergleich zum 300er eine ganz andere Masse zu bewegen, ich denke mal das wird sich aber schnell einspielen (und ich spare die Muckibude).
Kniffliger ist da schon das Zoomen. Ich habe jetzt eher kleine Patschehändchen und der Zoomring ist recht groß, gleichzeitig muss man mit der Hand aber auch noch den Trümmer auf dem Einbein stabilisieren. Im Moment bringe ich da noch die abenteuerlichsten Hand- und Fingerhaltungen zustande.
Das Sucherbild ist erwartungsgemäß etwas dunkler, bei f/4.0 fällt das aber nur marginal auf, mit eingeschwenktem 1.4x Konverter und f/5.6 macht sich das dann schon eher bemerkbar. Ist aber auch nichts weltbewegendes und werde ich schon bald kaum noch registrieren.

Ein erstes Fazit

Nichts dabei falsch gemacht das 200-400er der Festbrennweite vorzuziehen. Bildqualität, Schärfe etc. passt hervorragend und ein erhebliches Maß an Flexibilität bei der Arbeit gewonnen. Bei dem Testspiel hatte ich die zweite Kamera mit dem 70-200er wie immer bereit liegen und in der 2. Halbzeit wegen Nichtbenutzung eingepackt. Erwartung erfüllt…

Ab dem nächsten Wochenende fängt dann so langsam der Punktspielbetrieb wieder an und das Objektiv wird dementsprechend mehr Arbeit bekommen, weitere Erkenntnisse folgen dann hier.

Zum Abschluss noch ein „Schuss“ von dem Testspiel der Hoffenheimer Frauen:
fussi3

(Visited 1.098 times, 1 visits today)
1